Münchner Filmzentrum
FILMTIPS

 

An Frieda Grafes Stammplatz im Kino des Filmmuseums erinnert eine Plakette an sie.    [ Foto: Idún Zillmann ]

 

Kurze FILMTIPS von FRIEDA GRAFE zu Filmen aus der Patalas-Filmreihe:

 

DI, 9.7.  Die Spielregel (Jean Renoir, 1939)                                                 

Le régle du jeu (Die Spielregel), 1939, von Jean Renoir. Er hatte sich gesagt, dass er einen Film nach Barockmusik machen wollte, nach Rameau, Lully, Couperin. Sein Ideal vom Kino war, alles nach Natürlichkeit zuzulassen, was vor der Kamera sich ereignete. Ein Film unter Adligen, von Bürgern gespielt. Das eindringlichste Dokument über die Gesellschaft zwischen den Kriegen, über ihren Umbruch. Was im Kino vermittelt sich direkt?“ (Bd. 11, S. 178)

 

MI, 10.7.  Nosferatu (F. W. Murnau, 1922)               

Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens, 1922, von Friedrich Wilhelm Murnau. Bram Stoker verlegt nach Bremen ins Pestjahr 1838. Der Vampir hat einen Rattenkopf, ihm folgt eine Rattenarmee; nicht ein Pfahl ins Herz bringt ihn um, sondern der erste Lichtstrahl nach einer ausgedehnten Liebesnacht. Mit diesem Film begann Draculas Siegeszug durch die westliche Filmwelt.“ (Bd. 11, S. 153)

 

DO, 11.7.  Flocons d’or (Werner Schroeter, 1976)

Flocons d’or, 1976, von Werner Schroeter. Bilder, eher Schroeter begann, Geschichten zu erzählen, waren da, um vom Ton ausgehöhlt zu werden; ihre Künstlichkeit, ihre bloß zitierte Existenz verwies auf das Gehör als den archaischeren, dem Unbewussten näheren Sinn. Und: die Augen können sich schließen, nicht aber die Ohren.“ (Bd. 11, S. 267)

 

FR, 12.7.  Lola Montez (Max Ophüls, 1955)                                

Lola Montez, 1955, von Max Ophüls. Einer der schönsten und wichtigsten europäischen Filme der fünfziger Jahre, der wie kein anderer die Auflösung des alten Darstellungsraums durch Farbe, CinemaScope und Stereoton reflektiert. Das Zirkusrund als Schauplatz, als Erweiterung der Szene, die nur ein Käfig ist. Der Stadt als Skandalnudel und Ausstellungsstück. Und immer vorn dran, vor Neugier und Schaulust schier platzend, wir, das Publikum.“ (Bd. 9, S. 230)

 

SO, 14.7.  Rote Sonne (Rudolf Thome, 1970)

Rote Sonne, 1969, von Rudolf Thome. Schauplatz Groß-München. Eine Mädchenkommune: sie bringen Männer um. Eine Utopie, nicht Science-Fiction, in Serie-B-Manier. Aus der Ökonomie der Mittel erwächst die Verfremdung, wie bei Rivette und dessen Vorfahr Fantômas.“ (Bd. 11, S. 306)

 

MI, 17.7.  Trouble in Paradise (Ernst Lubitsch, 1932)                      

Ärger im Paradies, 1932, von Ernst Lubitsch. Das Paradies, das ist das Lubitschland der Komödie, in dem Witz, Leichtigkeit und Schick die erste Geige spielen. Trouble gibt es, weil Empfindungen, die schwerfälligen, den schönen Schein gefährden, was für Gefühlsgangster höchste Alarmstufe bedeutet.“ (Bd. 11, S. 322)

 

SO, 21.7.  Bierkampf  (Herbert Achternbusch, 1977)

Leider gibt  es zum Hofbräuhaus-Film keine Kritik von Friedas Grafe. Sie verfasste allerdings einen Text zu seinem Film Bierkampf von 1977, in dem sie Achternbuschs einzigartige Herangehensweise als schreibender Filmemacher sehr schön beschrieben hat. Was seine komischen Talente angeht, stellte Grafe Achternbusch in eine Reihe mit den ganz Großen, z.B. Groucho Marx und Charlie Chaplin.

 

DI, 23.7.  Panzerkreuzer Potemkin (Sergej Eisenstein, 1925)

Panzerkreuzer Potemkin, 1925, von Sergej Eisenstein. Sowjetische Kinolegenden sind aus anderem Stoff gemacht. Sie feiern, statt der Geburt der Nation, die Konstruktion der Zukunft.“ (Bd. 11, S. 323)

 

FR, 26.7.  Subido al cielo (Luis Buñuel, 1952)                                

1952 drehte Buñuel gleich zwei seiner „kleinen mexikanischen Filme“, die bei uns weniger bekannt sind. Frieda Grafe widmete ihm 1971 eine ausführliche Filmkritik in der Süddeutschen Zeitung.

 

SO, 28.7.  Angst (Roberto Rossellini, 1954)                               

Angst, 1954, von Roberto Rossellini mit Ingrid Bergman. Der Schauplatz ist München. Stefan Zweigs Novelle der Zeit angepasst, die Angst auch. Der Krieg hat bewirkt, dass das Verhältnis zwischen Mann und Frau nie mehr wie vorher sein wird, und er hat den Neorealismus ausgelöst. Demontage von Fiktion. Die Realität wird unter quasi-experimentellen Bedingungen beobachtet, am lebenden Objekt.“ (Bd. 11, S. 332)

 

Die Filmtips sind der folgenden Publikation entnommen:

Frieda Grafe. Ausgewählte Schriften in 12 Bänden. Herausgegeben

von Enno Patalas. Brinkmann & Bose Verlag, Berlin (2002 – 2008). Band 9 und 11.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlags.